Aktion kritischer Schüler_innen Niederösterreich

Anti-Kapitalismus

Unter Kapitalismus wird eine Wirtschaftsordnung verstanden, die sich durch freien Markt, Privateigentum und Produktion für einen den Preis bestimmenden Markt auszeichnet.

Auch wenn die Idee des Kapitalismus schon früher entstand, kam er erst durch die Industrialisierung im 18. Jahrhundert zur vollen Entfaltung, da ab diesem Zeitpunkt Arbeitsteilung stattfand und eine Klassengesellschaft aus Firmeneigentümer_innen und Arbeiter_innen entstand.

„Geld ist Macht“

Wir leben in einer kapitalistischen Welt. Der Spruch „Geld ist Macht“ beschreibt sehr gut, worum es geht. Die Personen, die in unserem System die Macht haben, sind gleichzeitig auch jene, die über das meiste Geld verfügen.

Dementsprechend werden Waren nicht mehr wegen ihres Gebrauchswertes produziert und verkauft, sondern vor allem deswegen, weil man dadurch Geld erwirtschaften kann.

Liberalisierung des Marktes

Mit dem Ausbau des Kapitalismus ging seit den 1990er Jahren der sogenannte Neoliberalismus einher. Das bedeutet, dass der Staat immer weniger Einfluss auf die Wirtschaft hat und Regulierungen abgeschafft wurden. Die Idee dahinter wurde von Adam Smith gegründet und geht davon aus, dass sich der Markt selbst reguliert und dass es durch einige große Konzerne automatisch allen Menschen gut geht, weil sie von dem Reichtum der Reichsten auch profitieren. Doch das ist ein Trugschluss. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter vergrößert.

Die Schere zwischen Arm und Reich

2010 besaßen in Österreich die reichsten 5 % der Bevölkerung 45 % des Gesamtvermögens, die nächsten 15 % verfügten über 29 % und die drittreichsten 30 % der Bevölkerung über 30 %, während die untere Hälfte, also 50 % der Einwohner_innen nur 4 % des Vermögens innehatten. Durch die Weltwirtschaftskrise 2008, die sich bis heute auswirkt, hat sich die Situation aber noch verschärft.

In anderen Ländern ist die Vermögensverteilung aber noch um einiges ungerechter. In den USA, zum Beispiel, besitzt 1 % der Bevölkerung 40 % des Vermögens, während sich die unteren 80 % der Menschen 7 % teilen.

Systematische Aushungerung vieler zur Bereicherung weniger

In den ärmsten Ländern der Welt sterben täglich 100.000 Menschen an Hunger, davon 25.000 Kinder. Und das obwohl die Erde eigentlich Nahrung für 12 Milliarden Menschen produzieren könnte und tonnenweise Essen in den Industriestaaten weggeworfen wird.

Da kapitalistische Konzerne vor allem auf Gewinnmaximierung aus sind, suchen sie sich meist die Länder, in denen viele Menschen arm sind und in denen es kaum gesetzlich verankerte Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen gibt. Mit dem Argument, Menschen Arbeit zu geben und ihnen so zu helfen, beuten sie die Arbeitskräfte aus. Immer wieder hören wir von schockierenden Ereignissen, wie Fabrikshallenbränden oder Kinderarbeit, doch normalerweise wird in unseren Medien kaum über die schreckliche Realität in Entwicklungsländern berichtet.

Mächtige Unterstützung?

Die multinationalen Konzerne verfügen über eine mächtige Lobby (Interessensvertretung) in Form von internationalen Institutionen, wie dem IWF (Internationaler Währungsfond), der WTO (World Trade Organization = Welthandelsorganisation) und der Weltbank. Diese vergeben Kredite an Entwicklungsländer, die diese für Investitionen benötigen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die betroffenen Staaten können ihre Schulden zu einem großen Teil nicht zurückzahlen, weshalb sie der IWF zu „Strukturanpassungsprogrammen“ zwingt, die das nötige Geld einbringen sollen. So kommt es, dass die ärmsten Länder einen Großteil ihrer Agrarprodukte ins Ausland verkaufen müssen und selbst nicht mehr genug Nahrung haben, um die eigene Bevölkerung zu ernähren.

Macht der Konsument_innen?

Oft wird uns eingeredet, wir seien an der aktuellen Situation schuld, weil wir über unsere Verhältnisse gelebt hätten. In Wirklichkeit wäre aber ein gewisser Wohlstand für alle möglich, die wahren Verursacher_innen der aktuellen Situation sind jene Menschen, die sich an der systematischen Ausbeutung vieler bereichern. Wir müssen uns unserer Privilegien bewusst werden und versuchen, andere aktiv durch die Dinge, die wir selbst nicht unbedingt behötigen, zu unterstützen.